27.Oktober.2005

Mit Gunst und Verlaub

Es ist ein guter alter Brauch
und nebenbei recht lustig auch,
dass man ein Richtfest dann begeht,
wenn erst einmal der Dachstuhl steht.

Doch geht das nicht so einerlei,
dazu gehören immer zwei,
der eine der die Wände stellt,
und einer mit dem nöt'gen Geld.

Man muß die klare Absicht haben,
den eignen Boden umzugraben
und jeder in seinem Häuschen nett und klein
sein Lebtag dann zufrieden sein.

Da hat man sich dann kurz geschlossen,
den Architekten kommen lassen
hat seinen Bauweis gut studiert
und ist mit ihm dann rumkutschiert.

Bald fand man auch den rechten Platz.
Die Bauherrn machten einen Satz,
weil's jetzt ging ran mit Windeseile,
der Architekt schärft seine Pfeile.

Der Bürgermeister gab den Segen,
das Handwerk kam, sich bald zu regen.
Im Nu war man nun mitten drin,
hub aus die Erde, warf sie hin.

Die Maurer ihre Kunst dann zeigen,
das Fundament beginnt zu steigen,
es wächst in seiner Bretterschale
vom einen bis zum anderen Male.

Es bindet ab, erhält dann oben
die Trägerdecke eingezogen.
Und eines Tages kommt herbei
die lang ersehnte Zimmerei.

Sie bringen nun das ganze Haus
Ihnen zuzusehen ist ein wahrer Schmaus.
Sie messen auf einen Axtwurf ganz genau,
ob auch im Senkel steht der Bau.

Mit -Holz Her- zuehen sie vorn und hint'
bis alle Teile oben sind.
Man spukt sich zünftig in die Hand,
der Laie staunt es wächst die Wand.

Und sieh mal an, das Haus, es steht,
eh' man sich recht umgedreht.
Und eins, zwei, drei - man glaubt es kaum,
sitzt auf dem First der Bänderbaum.

Jetzt wohl an,
wo unsre Arbeit ist getan,
frage ich den Bauherrn vor aller Welt,
wie Ihm sein neues Heim gefällt?

Nun da uns der Bauherr lobt,
sei dieses Werk für mich genug erprobt.
Und jeder Tadel in Wort und Blick -
Fällt in sein eigenes Nichts zurück.

Nun erhebe ich das Glas nach alter Sitte:

Der erste Schluck der Bauherrschaft,
die sich zum Bauen aufgerafft.
Sie lebe hoch!

Der zweite Schluck gehört dem Mann,
der diesen tollen Plan ersann.
Er lebe hoch!

Beim dritten Schluck er golt der Ehre,
des Handwerks dem ich angehöre.

Nun ist das Glas wohl ausgeleert,
und weiter für mich nichts mehr wert.
Drum werf ich es Boden nieder,
zerschmettert braucht es keiner wieder.
Doch Scherben bedeuten Glück und Segen,
der Bauherrschaft auf allen Wegen.